Welche Superpower Dir als Einzelkämpfer in der VUCA-Welt hilft – Introversion

Introversion ist Deine Superpower in der VUCA-Welt. Die Rede ist nicht von einer fiktiven Welt in einem Comic, und auch nicht von einem Computerspiel. Auch Du lebst in einer VUCA-Welt und kommst nicht drum herum, Dir gewisse Fähigkeiten anzueignen, die es Dir erleichtern, Dich darin zurechtzufinden. Dafür kannst Du wiederum viel von Comic-Superhelden wie Batman, Spiderman und Superman lernen. Sie alle haben gemeinsam, dass sie sehr introvertiert sind. Sie verbringen viel Zeit allein und schöpfen von innen Kraft, um diese dann in der Außenwelt einzusetzen. Introversion ist also durchaus eine Superpower, die auch Du nutzen kannst – selbst, wenn Du eigentlich eher zur Extraversion neigst.

Was ist die VUCA-Welt?

VUCA steht abgekürzt für:

Volatility

Wir leben in einer volatilen Welt, die sich schnell ändert. Gebraucht wird der Begriff insbesondere in Bezug auf Aktienkurse, die die Schwankungsintensität eines Preises anzeigt.

Uncertainty

Wir leben in einer unsicheren Welt, in der wir nie genau wissen, wie die Ergebnisse aussehen werden. Es gibt Dinge, die unberechenbar und unkontrollierbar sind.

Complexity

Insbesondere, wenn Du in einem großen Unternehmen arbeitest, hast Du täglich mit Komplexität zu tun. Wir sind durch die Technologie immer stärker miteinander vernetzt, und es ist immer schwerer, einen Überblick über die zunehmenden Optionen zu behalten, die sich uns bieten. In meiner Podcast-Folge von letzter Woche hat mein Gast Martin den Unterschied zwischen Komplexität und Kompliziertheit sehr gut erklärt. Klicke hier und höre Dir die Folge „Get Shit Done – obwohl Du in einem Konzern arbeitest – mit Martin Siebke“ an.

Ambiguity

Wir finden in unserer Welt viel Ambiguität vor. Das heißt also, wir erkennen keine einfachen Ursache-Wirkungszusammenhänge, sondern die Realität ist mehrdeutig und schwer planbar. Das Ergebnis ist häufig nicht eindeutig. Wenn ich A mache, erwarte ich B als Ergebnis, bekomme aber manchmal C. Genauso in dieser Welt bewegen wir uns heute.

Was ist Introversion?

Introversion ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das in Bezug auf die Interaktion mit der sozialen Umwelt eine nach innen gewandte Haltung zeigt. Bei der Introversion beschäftige ich mich mit mir selber. Im Gegensatz dazu steht die Extraversion, die eine nach außen gewandte Haltung beschreibt. Dabei kommen die Stimuli durch äußere Ereignisse.

Eventuell bist Du Dir nicht ganz sicher, ob Du ein introvertierter oder ein extravertierter Mensch bist. Du genießt es, unter Freunden zu sein, aber in beruflichen Meetings bist Du oft ruhig und schüchtern und bist froh, wenn Du nach Hause kommst und dann alleine sein kannst. Dazu musst Du zwei Dinge wissen:

  1. Du bist nicht introvertiert oder extravertiert, sondern Du nutzt in gewissen Situationen Introversion und in anderen Extraversion, wobei Dir in der Regel eins davon besser liegt.
  2. Introversion heißt nicht Schüchternheit

Woher weiß ich, ob ich introvertiert oder extravertiert bin?

Wenn Du möchtest, kannst Du im Internet einige Tests finden, mit Hilfe derer Du herausfinden kannst, ob Du eher eine Präferenz zur Introversion oder zur Extraversion hast. Dabei wirst Du höchstwahrscheinlich den MBTI finden, den Myers-Briggs Type Indicator. Du solltest wissen, dass dieser nicht wissenschaftlich ist. Aber er ist der Test, der am weitesten verbreitet ist. Ein Teil dieses Tests gibt Dir eine Tendenz, ob Du eher introvertiert oder extravertiert bist.

Wenn Du Dir schon darüber Gedanken gemacht hast, und Dir nicht sicher bist, welche der beiden Persönlichkeitsmerkmale eher auf Dich zutreffen, dann passt wahrscheinlich eher die Ambiversion auf Dich. Das heißt, Du bist gar nicht festgelegt, und kannst Dich je nach Situation wandeln. Du kannst mal etwas mehr Extraversion nutzen und mal etwas mehr Introversion.

Wie viele introvertierte und wie viele extravertierte Menschen gibt es?

Generell lässt sich sagen, dass ein Drittel bis zur Hälfte der Bevölkerung introvertiert ist. Vereinfacht könnte man also sagen, dass etwa die Hälfte der Menschen introvertiert ist und die andere Hälfte extravertiert. Oder man teilt es so auf, dass ein Drittel zur Extraversion neigt, ein Drittel zur Interversion und ein Drittel zur Ambiversion.

ir sehen sehr viele extravertierte Menschen: Redner, Entertainer, Moderatoren, Fernsehsprecher, Schauspieler, Stars, Trainer, Fußballspieler, Sänger, Manager, CEOs und andere Führungspersonen – alles sind Leute, die Karriere machen und extrovertiert sind.

Insbesondere in Städten sind mehr extravertierte Menschen zu finden. Im ländlichen Gebiet lässt sich Introversion besser leben, da jeder jeden kennt und Du trotz Introversion Deine sozialen Kontakte hast und durch das Dorfleben eingebunden bist.

Aber Städte sind anonym. Es gibt viele Leute, unter denen ein einzelner nicht auffällt. Darum ist Extraversion in der Großstadt bevorzugt.

Gerade heute in den ganzen Videokonferenzen und Telefonkonferenzen, die für uns in den vergangenen Monaten zum Alltag wurden, und die Remote Arbeit, die gerade sehr stark steigt, gehen Leute mit Introversion etwas unter.

Am Ende gebe ich einen kleinen Tipp, wie Du Dich trotz Deinem Hang zur Introversion in diesen Situationen besser aufstellen kannst.

Wie Du Introversion als Deine Stärke nutzen kannst

Was sind die Vorteile von Introversion für Dich als Einzelkämpfer? Um diese Frage zu beantworten, schauen wir uns zunächst an, wie introvertierte Menschen äußere Impulse verarbeiten und was extravertierte Menschen mit den äußeren Impulsen machen.

Bei der Introversion beobachtest Du äußere Geschehnisse, holst sie in Deine Komfortzone, gehst in Dich und verarbeitest diese in Ruhe, schaffst Verbindungen und machst einen Sinn daraus. Du kannst Außen etwas beobachten, dann darüber nachdenken, zusätzliche Informationen heranziehen, und dann diese wieder in die Außenwelt tragen. Du schöpfst Deine Energie somit aus dem Inneren, also aus Dir selbst heraus.

Extraversion sieht hingegen so aus, dass Du aus dem Komfortbereich hinausgehst und von außen Impulse bekommst, aus denen Du Kraft schöpfst. Du gibst von außen und du nimmst von außen.

Was ist bei äußeren Impulsen besser – Extraversion oder Introversion?

Die meisten Menschen glauben, dass extravertierte Menschen besser mit äußeren Impulsen umgehen können. Sie reagieren sofort auf diese Impulse und ziehen sich daraus sofort Energie, um der Außenwelt neue Impulse zu geben.

Das heißt aber nicht, dass Introversion keine Energie durch äußere Impulse bekommt.
Wenn Du nach innen gewandt bist, weißt Du, dass auch Du Energie durch äußere Impulse bekommst, jedoch nicht in dem Moment, in dem Du die Impulse bekommst. Viel eher gehst Du einen Schritt zurück, hörst zu, hinterfragst das, holst Dir zusätzliche Informationen, betrachtest das Thema aus der Distanz und erhältst dadurch eine bessere Übersicht.

Und nun überlegen wir nochmals, welche dieser Persönlichkeitsmerkmale in der VUCA-Welt, in der wir leben, besser ist.

Diese Welt, die sich gerade global ändert und uns keinen Sinn mehr gibt. Wir gehen nicht mehr in die Ausbildung, schließen mit einem Studium an und gehen dann nach dem Abschluss diesen von Anfang an ausgewählten Berufsweg. Heutzutage wechseln sich die Berufswege. Du machst vielleicht etwas ganz anderes als Du studiert hast, und bist trotzdem erfolgreich. Das heißt, es gibt keine klaren Gesetze mehr.

In dieser Welt, in der die äußeren Impulse unsicher sind, komplex und mehrdeutig sind, kommen die Personen mit Hang zur Introversion besser zurecht. Sie sind in der Lage, sich zurückzuziehen und für sich einen Sinn zu machen.

Introversion ist die Superfähigkeit in der VUCA-Welt.

Du machst Dich damit unabhängig von äußeren Impulsen und kannst Dir somit von innen heraus einen Sinn erklären. Introvertierte Leute betrachten äußere Impulse unabhängig von ihnen und hinterfragen diese nach ihrer Richtigkeit. In einem Meeting zum Beispiel ziehen sie sich einen Moment zurück und machen sich einen Sinn daraus, was gesagt wurde.

Introversion kann nicht ohne Extraversion leben – und umgekehrt

Auch als extravertierte Person kannst Du Introversion nutzen. Du musst es allerdings bewusst machen und es ist sehr anstrengend. Genauso ist es für eine introvertierte Person anstrengend, auf Partys viel zu vernetzen und keinen Moment zu haben, um sich zurückzuziehen. Trotzdem machen sie es.

Introversion hilft insbesondere, wenn sich draußen viele Sachen schnell ändern. Du hast dann eine Art Schutzschild – wie ein Superheld eben.

Kannst Du mit Superhelden nicht viel anfangen, habe ich Dir auch ein paar Beispiele für reale Vorbilder mitgebracht, die von sich gesagt haben, dass sie zur Introversion neigen: Albert Einstein, Bill Gates, Mark Zuckerberg, Larry Page, Elon Musk und Steve Wozniak. Und das sind noch lange nicht alle.

Sicher kennst Du die meisten dieser Personen, und wenn Du jemanden nicht kennst, liegt es an ihrer Introversion. Steve Wozniak konnte sich zum Beispiel seine Introversion super durch die Zusammenarbeit mit Steve Jobs bewahren, der eher einen Hang zur Extraversion hatte.

Um Introversion als Deine Superkraft zu nutzen, brauchst Du Partner oder Tools, um mit der Welt da draußen zu kommunizieren. Steve Wozniak hatte Steve Jobs. Darum waren sie im Duo super erfolgreich.

Das heißt also, alleine mit Introversion wirst Du nicht weit kommen. Du brauchst auch ein bisschen Extraversion.

So kannst Du sowohl Introversion als auch Extraversion nutzen

Was brauchst Du, um Introversion für Dich zu nutzen? Als erstes solltest Du es akzeptieren. Erkenne, wenn Introversion Deine Stärke ist, und lerne, damit umzugehen. Nutze also Deine Introversion, finde aber auch Wege, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Du kannst dafür wie Steve Wozniak einen Partner suchen, oder wie ich, als ich als kleiner Junge meinen Bruder gebeten habe, mit auf der Kirmes einen Flummi zu kaufen, weil ich mich nicht getraut habe, mit dem Verkäufer zu reden.

Das ging dann schon stark Richtung Schüchternheit. Bist auch Du nicht nur introvertiert, sondern auch schüchtern, solltest Du üben, mit fremden Menschen in Kontakt zu kommen. Sprich zum Beispiel mit Deinem Friseur oder mit der Dame an der Haltestelle. Übe Smalltalk mit den verschiedensten Personen. Es wird sich am Anfang unbequem anfühlen, es wird Dich Überwindung kosten. Aber das Gefühl es trotzdem getan zu haben, ist sehr befreiend. Denn Du öffnest Dich der Außenwelt und übst somit Extraversion.

Nun gibt es auch Situationen, in denen ein introvertierter Mensch gezwungen ist, sehr intensiv mit Menschen zu kommunizieren und auch wenig Zeit hat, sich zwischendurch zurückzuziehen, z.B. auf der Messe, auf einem Networking-Event oder auf einem Kongress. Um diese Aktivitäten mit guter Leistung durchzustehen, müssen sie sich zurückziehen können, um aus dem Inneren heraus Kraft zu schöpfen. Dafür empfehle ich die Meditation, denn diese kann eine sehr gute Methode und Quelle der Energie sein.

Extraversion, Ambiversion und Introversion schließen sich nicht aus

Was Du auf keinen Fall tun solltest, ist, Deine Introversion wegzutrainieren. Es ist Deine Stärke, die Du nutzen und ausbauen solltest.

Akzeptiere also deinen Hang zur Intraversion. Finde aber auch Wege, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Zum Beispiel kannst Du versuchen, in Orten gesehen zu werden, wo andere einfach nur laut sind. Hebe während eines Vortrages zum Beispiel Deinen Arm, nicke oder zeige eine Zeichnung, um zu Wort zu kommen. Nutze also Deine Körpersprache und Visualisierungen, um den Gesprächsverlauf zu beeinflussen.

Du bist nicht entweder nur introvertiert oder extravertiert, sondern die Übergänge sind fließend. Du hast zwar eine klare Präferenz, aber auch die anderen Persönlichkeitsmerkmale sitzen in Dir.

Introversion ist nur zu 39 bis 58 Prozent genetisch bedingt. Das heißt, da ist noch viel Raum fürs Lernen und Aneignen – für die Entwicklung Richtung Ambiversion. Dasselbe gilt, wenn Extraversion Deine Präferenz ist.

Nochmal, weil es so wichtig ist: Erkenne Deine Stärke an und nutze diese. Übe gleichzeitig auch die Merkmale, die bei Dir weniger stark ausgeprägt sind. Aber versuche niemals, Deine Stärken zu untergraben.

Denn die eigenen sozialen Fähigkeiten nicht in Balance mit eigenen Bedürfnissen und Gefühlen zu halten, ist ein Risiko. Dies sollte insbesondere bei der Berufswahl beachtet werden. Eine Person mit Introversion als Vorteil, sollte nicht im Verkauf arbeiten. Und eine Person, deren Stärke die Extraversion ist, würde im Controlling untergehen.

Natürlich kannst Du mal extrovertiert sein, wenn Du sonst eher introvertiert bist. Du kannst als introvertierter Wissenschaftler mal auf eine Konferenz oder eine Messe gehen. Aber würde man Sich monatelang von einer Messe zur anderen schicken, wäre es nicht das Richtige für Dich.

Wrap Up

Introversion ist Deine Super-Power in der VUCA-Welt. Es gibt viele Vorbilder, die damit erfolgreich sind. Wenn Du einen Hang zur Introversion hast, dann solltest Du diesen akzeptieren und fördern. Es ist eine Chance, Deine Persönlichkeit zu entwickeln.

Nutze die Fähigkeiten, die Du hast. Ob Hang zur Extraversion, Hang zur Intraversion oder Hang zur Ambiversion – das alles sind Vorteile. Nutze sie!

Meine These ist: Introversion wird in der VUCA-Welt immer wichtiger.

Nun interessiert mich auch, welche Werkzeuge Du nutzt, um mit Introversion gut durch den Alltag zu kommen. Wie schaffst Du es, im Unternehmen als Intrapreneur gut dazustehen und Dinge voranzutreiben. Schreibe es mir in die Kommentare.

Bis dann,
Dein Guerrilla Coach,
Sebastian

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